Die Smartphones kamen, der Anstand ging

Man hat es in den letzten Wochen immer mal wieder in den Nachrichten gesehen: Gaffer behindern die Arbeit von Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei. Hauptsache man hat ein ‚geiles‘ Foto oder Video mit dem Smartphone gemacht womit man bei seinen Freunden prahlen oder es sofort in facebook laden kann. Es gibt kein Tabu mehr. Manche Menschen nehmen die damit verbundenen Gefahren und die Störung der Rettungsmaßnahmen bewusst in Kauf – man könnte ja etwas verpassen. Man könnte eine Gelegenheit verpassen, sich wichtig zu machen. Es wird nicht mehr nur kurz hingeschaut, sondern es geht so weit, dass Leute mitten auf der Autobahn anhalten oder während der Fahrt ihren Arm aus dem Fenster strecken um ein Foto mit seinem Smartphone machen zu können. Oft wird dabei noch dämlich gegrinst oder man erfreut sich sogar an der Situation, da man es ja mit dem Handy festhalten konnte und was zum angeben auf facebook hat. Endlich hat auch unsere Regierung mal reagiert und die Gesetze für bzw. gegen ‚Gaffer‘ verschärft. Das wurde auch allerhöchste Zeit! Meiner Meinung nach sind die Strafen noch viel zu mild.

Diese Foto-Geilen Menschen sollten sich mal folgende Situation vorstellen, die uns allen jederzeit passieren könnte: Du baust einen Unfall auf der Autobahn (oder auf einer anderen Straße, soll ja nur ein Beispiel sein) und dein Kind wird bei diesem Unfall lebensgefährlich verletzt. Du sieht wie sich immer mehr Menschen um dich und dein Kind versammeln, einfach nur dastehen und glotzen – ohne zu helfen natürlich. Es werden rücksichtslos Bilder mit dem Handy gemacht, dabei gegrinst und sich an der ach so tollen Aufnahme erfreut. Die Rettungskräfte oder der Notarzt kommt in dieser Situation -wo jede Sekunde zählt- nur zögerlich zu deinem Kind, da die Gaffer die Zufahrt blockieren oder schlichtweg einfach im Weg stehen. Du stehst hilflos daneben, stehst unter Schock und betest still zu Gott das dein Kind gerettet wird. Dir schießen die schlimmsten Gedanken durch den Kopf und du fühlst dich absolut hilflos. Dabei beobachtest du fortlaufend, dass Leute extra langsam fahren um aus dem offenen Autofenster Bilder von der Unglückssituation und Rettungsmaßnahme zu machen. Wie würdest du dich in einem solchen Moment fühlen? Versetzt euch einfach mal in diese Situation und lasst das ganze mal auf euch einwirken.

Ich bekomme echt das große Kotzen, wenn ich solche Aktionen mitbekomme oder in den Nachrichten davon höre. Dabei spielt es keine Rolle ob ein Autounfall passiert ist oder ein etwas betagter Mensch in einem Kaufhaus leblos zusammenbricht. Diese Leute, die dann ihr Smartphone zücken, schrecken vor rein gar nichts mehr zurück. Es gibt kein Tabu mehr, es gibt keine Empathie und kein Mitgefühl mehr. Das eigene Ego, das eigene ‚Erlebnis‘ steht im Vordergrund. Im wahrsten Sinne des Wortes wird heutzutage über Leichen gegangen. Diesen Leuten sollte man das Smartphone aus der Hand reißen und es auf dem Boden zertrümmern! Ich würde es machen. Sofort. Ferner gehören diese Menschen unverzüglich und spürbar hart bestraft. Viele denken nämlich erst dann nach, wenn es mal ganz empfindlich an den Geldbeutel geht – oder man eine solche Glotzerei mal aus der Betroffenen-Position erlebt. Traurig genug. Erst heute musste ich wieder miterleben, wie eine Menschentraube um eine auf dem Boden liegende Person herumsteht und fotografiert während der Rettungsdienst seine Arbeit verrichtet. Ich bin natürlich sofort weitergegangen – mit einer richtige Portion Wut im Bauch. Am liebsten hätte ich jedem einzelnen das Smartphone aus der Hand geschlagen und zertrümmert.

Haben die Leute die da standen einfach nur Stroh im Kopf? Oder Minderwertigkeitskomplexe die man dadurch befriedigen will? Oder fühlen sie sich einfach nur wichtig und unantastbar? Die Wahrheit wird wohl ein Mix aus allem sein.

Also: Entweder helfen oder weggehen. Wenn ihr Fotos schießen wollt, geht raus in die Natur.

Gegen Gaffer in Rettungssituationen!

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