Neulich, draußen, im Notarztdienst…

„Dr. Polytrauma, Notarzt, Sie sind Frau Werner? Was fehlt Ihnen?“

„Ich war heute Morgen auf Kaffeekränzchen bei Birgit und seit dem tut mir die Ferse so weh beim auftreten… Sie kennen die Birgit nicht zufällig oder?“

„Frau Werner, Sie haben der Leitstelle etwas von plötzlichen Lähmungserscheinungen im Bein und stärksten Schmerzen gesagt. Was genau fehlt Ihnen denn jetzt? Haben Sie Schmerzen?“

„Ja die Ferse! Aber die Schuhe habe ich schon sehr lange, davon kann es nicht kommen…“

„Sie haben doch den Notruf gewählt. Ich bin Notarzt. Sie müssen mir jetzt schon genau sagen was ich für Sie tun kann!“

„Könnten Sie mal nach der Ferse schauen? Mir tut die Ferse so weh. Und sicher das Sie die Birgit nicht kennen? Früher hat die drüben in der Dorfschenke gearbeitet… Die hat ja seit Januar geschlossen. Wissen Sie bestimmt, oder?“

„Sie wollen also sagen, dass Ihnen nur die Ferse weh tut? Und deshalb lassen Sie einen Notarzt und Rettungswagen kommen? Die Leitstelle sagte was von plötzlichen Lähmungen. Und das wäre eine ernste Sache!“

„Ja, die Ferse macht mir Sorgen Doktor! Die anderen beim Kaffeekränzchen haben gesagt das könnte Bauchspeicheldrüsenkrebs sein… Habe ich neulich sogar noch gelesen.“

„Also ich fasse das hier jetzt nicht. Haben Sie mal darüber nachgedacht dass es Menschen gibt, die dringender meine Hilfe benötigen?!“

„Ich konnte später nicht anrufen, da spielen wir Schafkopf! Jeden Dienstag, seit über 30 Jahren. Heute sind wir beim Liesel. Die wohnt dahinten wenn Sie die kleine Gasse runterlaufen direkt auf der Ecke. Wissen Sie wo ich meine?“

„Ich schaue mir jetzt kurz die Ferse an und werde dann wieder fahren. Ihnen steht es frei ins Krankenhaus zu fahren. Denken Sie mal über den Sinn der 112 nach Frau Werner! Sie binden unnötig Rettungsmittel und Kräfte! Für solche Beschwerden können Sie zum Hausarzt gehen!“

„Soll ich mal die Frau Böbby von nebenan anrufen? Die kennt sich immer gut aus. Die liest viel die Apotheken Umschau! Sie doch sicher auch, oder? Ich meine da stand das auch mit der Ferse und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Diese dreckige Krankheit!“

„Frau Werner… Mir fällt dazu nichts mehr ein! Ich habe ja schon viel erlebt, aber das hier… Toppt echt alles! So, zeigen Sie mal die Ferse. Schuhe müssen aus. Moment mal…“

„Oh… Was haben Sie jetzt gemacht? Der Schmerz ist weg!“

„Den Schuhlöffel rausgezogen! Der steckte die ganze Zeit noch im Schuh hinter Ihrer Ferse!“

„Ach du meine Güte! Manfred haste das gehört? Ich bin ja ein Dusseltier…“

„Schönen Tag noch! Und machen Sie das nie wieder!“

„Halt, haben Sie noch 5 Minuten Zeit? Können Sie mir die Wäschespinne schnell aufstellen? Mein Manfred hat Rheuma. Mein Enkel wollte das gestern machen aber Sie wissen ja wie Kinder sind…“

Schreie.

Rauchschwaden quellen aus Wohnung.

Tür knallt.

Motor des Notarzt-Einsatzfahrzeuges jault auf.

Reifen quietschen.

2 Kommentare zu “Neulich, draußen, im Notarztdienst…

  1. Falls der Beitrag so passiert ist und keinen satirischen Ursprung hat würde ich den Einsatz bezahlen lassen…
    Falls es ein satirischer Beitrag ist, bin ich mir sicher, dass es genug reale Beispiele gibt, die in diese Kategorie passen und leicht abgewandelt auch so passiert sind. *kopfschüttel*

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