Was will ICH eigentlich?

Mir fiel heute eine Szene bzw. mehrere Szenen aus der Serie „Breaking Bad“ ein. Es ging um die Therapie-Optionen für Walter White nachdem bei ihm ein inoperabler Lungenkrebs festgestellt wurde. Walter dachte lange über seine Erkrankung nach und entschied sich gegen eine Chemotherapie. Dadurch brach in der Familie und unter seinen Freunden Streit aus. Walters Frau Skyler konnte seine Entscheidung nicht fassen und wollte diese auch nicht akzeptieren. Sie machte Walter Vorwürfe, er würde seine Familie im Stich lassen und sich dem Kampf nicht stellen. Walter argumentierte damit, dass er das bisschen Leben was er noch hat genießen möchte und nicht von der Chemo ausgezehrt an ein Bett gefesselt sein will und durch eine Sonde ernährt zu werden. Er wollte dies sich selbst und seiner Familie ersparen. Irgendwann saßen Walter, Skyler, ihr Sohn Walter Jr. und die Freunde Hank und Marie zusammen, um über seine Entscheidung zu sprechen. Walter wurden nur Vorwürfe gemacht.

„Du musst die Chemo machen!“, „Du musst kämpfen!“, „Du bist ein Feigling!“.

Marie war es, die plötzlich sagte: „Hat eigentlich mal jemand Walter gefragt was ER will?“. Es wurde still im Raum.

Ich musste heute lange über diese Szenen nachdenken und versuchte diese mal ins reale Leben zu projizieren. Was würde man selbst in einer solchen Situation tun? Haben die Familienangehörigen und Freunde das Recht, dich zu einer Chemotherapie zu zwingen? Bist du ihnen schuldig, dich gegen deinen Willen behandeln zu lassen? Oder hat man selbst das „letzte Wort“ über seinen Körper? Kann man von der Familie verlangen, dies zu akzeptieren? Dies zu respektieren?

Für diese Frage gibt es meiner Meinung nach keine Musterlösung. Die Entscheidung in einer solchen Situation gehört sicher zu den schwierigsten, unangenehmsten und folgenreichsten vor die man in seinem Leben gestellt werden kann. Egal welche Entscheidung man trifft, sie verdient sehr viel Respekt. Wenn man nicht selbst in einer solchen Situation ist oder selbst mal eine solche Situation durchlebt hat, wird man sich kaum in die Lage eines betroffenen hineinversetzen können. Gedankengänge können nicht verstanden werden. Handlungen erscheinen falsch und irrational. Man sollte bedenken, dass der Betroffene es mit der Erkrankung schon schwer genug hat. Will man ihm dann noch einen Kampf um seinen (?) Willen zumuten? Ist es gerecht, jemanden ein dauerhaft schlechtes Gewissen zu machen wenn er eine andere Entscheidung getroffen hat?

Es darf jedenfalls nicht darin enden, dass alle an einem Tisch sitzen, die Situation besprechen und der Betroffene derjenige ist, der am wenigsten oder schlimmstenfalls gar nichts zu sagen hat. Es muss ein richtig beschissenes Gefühl sein, wenn deine Familie sich vor deinen Augen darüber streitet was du zu machen hast, ohne dich jemals nach deinem eigenen Willen und deiner eigenen Meinung gefragt zu haben. Das Leben ist das höchste Gut was ein Mensch besitzt. Und es ist vielleicht das einzige Gut auf Erden was niemals den „Eigentümer“ wechseln kann. Ein Leben muss immer einem selbst bleiben. Man muss es selbst gestalten und selbst darüber entscheiden und verfügen dürfen. Sicher muss man auch Kompromisse eingehen, aber man darf niemals sein Leben jemand anderem übertragen -oder sich nehmen lassen- und selbst nicht mehr darüber bestimmen dürfen.

Wie komme ich jetzt darauf? Ich weiß es ehrlich gesagt auch nicht. Hat es vielleicht Hintergründe? Mag vielleicht sein. Oder auch nicht.

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