Berichte die das Leben schreibt…

Habe dem Chefarzt gerade meinen Einsatzbericht vom letzten nächtlichen Notarzteinsatz abgegeben. Er ist penibel genau und erwartet äußerste Ernsthaftigkeit und Präzision. Ich hoffe hiermit eine gute Basis für meine Gehaltsverhandlung übermorgen geschaffen zu haben

Dort draußen in der Stadt der Patient schreit laut,
dem übermüdeten Notarzt die Nachtruhe klaut.
Doch natürlich zu Hilfe er eilt der gute Ritter,
nächtliche Einsätze machen jeden Notarzt fitter.

Fentanyl, Defibrillator, Spritzen und Erythromycin,
doch ich komm‘ nicht weg denn dem NEF fehlt Benzin.
Aber der Notarzt genau weiß zum Einsatz er muss,
darum packt er den Notarztkoffer und nimmt den Bus.

Beim kranken Patienten er ist nach einer Stund,
der kranke schon blau mit Schaum vor dem Mund.
Einen Zugang gelegt und den Tubus schnell rein,
nun bekommt er wieder Luft so muss das sein.

Die Angehörigen nervös aber froh das der Notarzt ist hier,
dieser gespannt wartet auf die Frage „Wollen Sie ein Bier?“.
Die Frage nicht kommt ich in den Kühlschrank muss schau,
doch der Patient hat gar kein Bier – diese dumme Sau.

Ein Blick auf die Karte zeigt der Patient ist Kasse,
der Notarzt schüttelt den Kopf und denkt: Na Klasse!
Jetzt steh ich hier mit meinem Patienten Seite an Seite,
wie bekomm ich den nun weg ohne die Klinik macht pleite.

Ein Hubschrauber ist teuer der Rettungswagen ist es auch,
eine gute alte Schubkarre der Notarzt jetzt braucht.
Eine Karre find‘ der Notarzt hinter dem Haus im Schuppen,
mit Mühe und Not der Kranke dort hinein sich lässt wuppen.

Der Stau ist lang die Straßen voll die Ampeln sind rot,
dass bringt den kranken Patienten so langsam in Not.
Der Weg zur Klinik noch weit doch der Notarzt nicht dumm,
er nimmt eine Abkürzung doch die Schubkarre kippt um.

Da liegt er nun der Patient in Matsch und Regen,
ohne Rettungswagen ist der dort nicht weg zu bewegen.
Nach vielen Stunden die Notaufnahme endlich erreicht,
der Patient jedoch mittlerweile einer Leiche gleicht.

Der Notarzt nun müde und völlig durchnässt,
er hofft dass der Chefarzt ihn nun ins Bettchen lässt.
Bis zum nächsten Alarm begib ich mich zur Ruh,
auch ohne Propofol mach ich jetzt die Augen zu.

Dr. Polytrauma

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