In der Narkosesprechstunde…

Prämedikationsambulanz, Dienstag, 08:10 Uhr. Patientin ist Frau Hilde Müller. Sie soll auf die Narkose vorbereitet werden.

„Hallo Frau Müller, Dr. Polytrauma, Narkosearzt. Haben Sie den Narkosefragebogen ausgefüllt?“

„Oh, sollte ich den mitbringen? Das wusste ich nicht. Ich schicke schnell meinen Mann nach Hause… HEEEEBERT? HEEERBERT? Hörst du? Kannst du mal schnell heimfahren die Unterlagen holen?“

*09:05 Uhr*

„So Frau Müller, haben Sie den Bogen?“

„Ja, hier bitte, Doktor!“

„Das ist eine Verschreibung für Stütz- und Kompressionsstrümpfe, Frau Müller. ICH BRAUCHE DEN NARKOSEFRAGEBOGEN!“

„HEEERBERT? HEEERBERT? Du hast das falsche geholt. Der Doktor braucht was anderes!“

„Kommen Sie einfach nochmal wieder wenn Sie ihn endlich haben…“

*10:32 Uhr*

„Okay, Frau Müller… Haben Sie ihn?“

„Doktor ich finde ihn nicht mehr…“

„Das ist doch nicht die Möglichkeit… Hmmpf… Meine Assistentin gibt Ihnen einen neuen. Füllen Sie den draußen auf dem Flur aus. Ich rufe Sie nach dem nächsten Patient nochmal auf!“

*11:04 Uhr*

„Frau Müller… Haben Sie alles ausgefüllt?“

„Ja, hier Doktor…“

„Okay, das sieht ja soweit alles gut aus… Hier steht 1996 OP am Darm? Was wurde da gemacht?“

„Ohje, da muss ich mein Mann Fragen. HEEERBERT? HEEERBERT? Guck mal hier, was war da 1996? HERBERT? Wo bist du denn?… Doktor, der ist sich bestimmt einen Kaffee holen. Ich gucke mal schnell!“

*11:21 Uhr*

„Frau Müller, ich hoffe Sie haben jetzt alle Informationen beisammen!“

„Ja. Mein Mann war auf der Toilette. Wissen Sie, der hat es ja seit Jahren so mit der Blase und muss so oft… Letztens wo wir hier waren musste er auch so oft. Beim Händewaschen hat er sich die ganze Hose mit der Seife versaut. Ich hab noch extra gesagt HERBERT, pass auf die neue Hose auf… Sie wissen ja wie Männer sind“

„Frau Müller… Da draußen warten noch andere Patienten. Wir müssen jetzt Ihre Narkose besprechen! Was war denn nun 1996? Haben Sie Ihren Mann gefragt?“

„Ja. 1996 wurde ich am Darm operiert“

„Das weiß ich doch Frau Müller! Das haben Sie hier hin geschrieben! ICH WOLLTE WISSEN WAS GENAU GEMACHT WURDE!?“

„Ohje, das weiß mein Mann auch nicht mehr…“

„Lassen wir das – Sie nehmen gar keine Medikamente?“

„Doch, Doktor. Wie kommen Sie darauf?“

„NA SIE HABEN HIER KEINE ANGEGEBEN!“

„Ohje Doktor, wenn Sie wüssten was ich alles nehmen muss…“

„JA, IN DER TAT WÜSSTE ICH DAS GERNE. FRAU MÜLLER, WIR SITZEN HIER NICHT ZUM SPASS!“

„Die Tabletten sind alle in einem Schuhkarton. Dann müsste ich den mal holen!“

„Das ist jetzt nicht ihr ernst… Frau Müller, ich muss noch etliche Patienten auf die Narkose vorbereiten. Holen Sie bitte den Medikamentenplan und dann kommen Sie heute Nachmittag mit ALLEN, wirklich ALLEN Unterlagen und dem VOLLSTÄNDIG ausgefüllten Fragebogen zurück. Denn hier unten haben Sie auch drei Fragen ausgelassen!“

„Ja, alles klar Doktor…HEEERBERT? HEEERBERT? Wir müssen nochmal heim!“

*15:54 Uhr*

„So Frau Müller. Jetzt aber! Haben Sie alles?“

„Ja, hier drin sind alle Medikamente!“

„Hmm, okay, das sind ja schon einige… Warum haben Sie diese denn nicht in den Fragebogen geschrieben?“

„Ja ich wusste nicht… Die nehme ich ja nur daheim!“

„Das spielt doch keine Rolle! Ich muss das alles wissen. Wenn ich das NICHT weiß, kann so eine Narkose gefährliche Nebenwirkungen haben! Nun gut… Haben Sie die restlichen Fragen ergänzt?“

„Ja Doktor… Moment… HEEERBERT? HEEERBERT? Hast du den Fragebogen? HEEERBERT? Mensch dieser Mann… Furchtbar. Wie beim Einkaufen. Ständig ist der weg. Ich gehe ihn mal gerade suchen…“

*16:09 Uhr – Feueralarm: Prämedikationsambulanz steht in Flammen*

4 Kommentare zu “In der Narkosesprechstunde…

  1. Also, ich nehme die kleinen weißen Tabletten, die kleinen ovalen gelben Tabletten . nein, die sind eher orangegelb, so mittelgroße runde mit ner Rille, ne weiß-gelbe Kapsel und ne kleine herzförmige Tablette.

      • „Haben Sie Bluthochdruck?“
        „Nein.“
        (fünf Minuten später)
        „Aber auf Ihrem Medikamentenplan steht ein Mittel gegen Bluthochdruck?“
        „Ja, und seit ich die nehme, hab ich ja keinen Bluthochdruck mehr!“

        Daraus gelernt: Frage muss präzisiert werden. 😀

  2. Ich weiß nicht, ob die Zeit dafür da ist, aber kann man denn bei der Bogenübergabe nicht kurz erläutern (nur als Beispiel!!):

    „Sie sollen eine Narkose bekommen. Das geschieht durch Verabreichung von Medikamenten.
    Diese Medikamente werden auf Ihre Bedürfnisse, bzw. die Ihres Körpers durch den Anästhesisten/die Anästhesistin abgestimmt. Falls Sie zuhause Medikamente nehmen, müssen die auch mit bedacht werden.Daher wollen wir wissen, wie die Medikamente heißen, die Sie nehmen.“

    Menschen, die nicht aus dem medizinischen Bereich kommen, können sich meist nicht vorstellen, was bei einer Narkose, OP, was-auch-immer-im-KH passiert.
    Eine kurze unaufgeforderte Erklärung des „Warums“ könnte vielleicht beiden Seiten Nerven sparen.
    (Siehe auch die Frage nach dem Zahnersatz….)

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